Diese fantastische Geschichte ist vollständig frei erfunden und dient ausschliesslich der Unterhaltung.
Es war an einem nebligen Morgen im Spätherbst, als der pensionierte Briefträger Alois Barmettler auf einem Feld oberhalb von Sempach nach seinem entlaufenen Dackel „Wilhelm“ suchte.
Wilhelm war kein gewöhnlicher Dackel. Er hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Cervelats, alte Lederschuhe und Dinge, die mindestens fünfhundert Jahre im Boden gelegen hatten.
Plötzlich blieb der Hund mitten auf einer Wiese stehen, legte den Kopf schief und begann zu graben. Zuerst kamen Erde, Wurzeln und ein erstaunlich gut erhaltener Kronkorken zum Vorschein. Dann stiess Wilhelm mit der Pfote auf etwas Hartes.
Alois kniete sich hin und zog einen schweren, verrosteten Eisenhandschuh aus dem Boden. Im Inneren klapperte etwas.
„Wahrscheinlich wieder ein Knopf“, murmelte er.
Doch als er den Handschuh umdrehte, fiel eine glänzende Goldmünze ins Gras.
Die Münze zeigte auf der Vorderseite einen Ritter mit einem gewaltigen Schnurrbart. Auf der Rückseite war ein Huhn mit Krone abgebildet. Rundherum stand in kaum lesbaren Buchstaben:
„Wer dies findet, schuldet dem Wirt drei Mass Wein.“
Alois war verwirrt. Eine solche Münze hatte er noch nie gesehen. Noch erstaunlicher war, dass sie vollkommen sauber und warm war, obwohl sie angeblich seit der Schlacht bei Sempach im Jahre 1386 im Boden gelegen hatte.
In diesem Moment zog dichter Nebel über das Feld. Aus der Ferne war Pferdegetrappel zu hören.
Dann erschien ein gepanzerter Reiter.
„He, du dort!“, rief der Ritter. „Hast du zufällig meine Zeche gefunden?“
Alois wollte antworten, brachte jedoch nur ein leises „Äh…“ heraus.
Der Ritter stieg vom Pferd, nahm die Goldmünze in die Hand und betrachtete sie kritisch.
„Das ist sie tatsächlich. Ich habe sie am Abend vor der Schlacht verloren. Der Wirt war deswegen ziemlich ungehalten.“
„Sie sind etwas spät dran“, meinte Alois vorsichtig.
„Gab es viel Verkehr?“, fragte der Ritter.
Bevor Alois antworten konnte, begann Wilhelm erneut zu graben. Diesmal kamen nicht nur eine, sondern Hunderte Goldmünzen zum Vorschein. Sie lagen in einem kleinen Holzkästchen, das erstaunlicherweise mit einem modernen Zahlenschloss gesichert war.
Der Ritter wurde blass.
„Beim heiligen Käsefondue! Das ist die Kriegskasse!“
Alois öffnete das Schloss versuchsweise mit der Zahlenkombination 1386.
Es klickte.
Im Inneren lagen Goldmünzen aus allen möglichen Jahrhunderten: Dukaten, Florentiner, französische Louis d’or, Goldvreneli und sogar eine Münze mit der Aufschrift:
„Sempach – Sonderprägung zur 700-Jahr-Feier der Schlacht, Ausgabejahr 2086.“
„Wie kann denn eine Münze aus der Zukunft hier liegen?“, fragte Alois.
Der Ritter zuckte mit den Schultern.
„Die Buchhaltung war damals etwas unübersichtlich.“
Plötzlich ertönte ein gewaltiger Donnerschlag. Der Nebel wirbelte über das Feld, der Ritter sprang auf sein Pferd und rief:
„Behaltet die Münzen! Aber zahlt endlich dem Wirt seine drei Mass Wein!“
Dann verschwanden Reiter, Pferd und Nebel so schnell, wie sie gekommen waren.
Zurück blieben Alois, Wilhelm und das Kästchen voller Gold.
Am nächsten Tag wollte Alois den Fund fachkundig untersuchen lassen. Doch als er das Kästchen öffnete, waren sämtliche Goldmünzen verschwunden.
Stattdessen lagen darin drei leere Weinflaschen, ein angebissener Cervelat und ein kleiner Zettel:
„Rechnung beglichen. Besten Dank.
Der Wirt von Sempach.“
Nur die seltsame Münze mit dem gekrönten Huhn war noch da.
Alois brachte sie später zur Begutachtung nach Sursee.
Das Ergebnis war ebenso überraschend wie ernüchternd:
Die Münze bestand tatsächlich aus Gold – allerdings trug sie eine winzige Gravur am Rand:
„Souvenir – hergestellt gestern.“
Bis heute behauptet Alois, die Geschichte sei genau so passiert.
Und Wilhelm?
Der gräbt inzwischen nur noch dort, wo früher Gasthäuser standen.













